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Landschaften der Romantik

22.01. - 03.04.2021
Rämistrasse 3, Zürich

Die Romantik war eine künstlerische, literarische, musikalische sowie intellektuelle Bewegung, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Europa aufkam. Die Strömung kann als Reaktion auf die Industrielle Revolution, die damaligen sozialen Veränderungen sowie die wissenschaftliche Rationalisierung der Natur im Zuge der Aufklärung gedeutet werden.

 

Ausstellungsansicht Romantik
Alexandre Calame »Idyllische Uferpartie an der Rhone vor Avignon«, without year, Inv.-Nr.5-303
François Diday - Pont du Diable, o.J.

François Diday - Pont du Diable, o. J.

Johann Gottfried Steffan »Ufer am Gardasee in Oberitalien«, 1846, Inv.-Nr.5-724

In der bildenden Kunst trat die Betonung der Affekte sowie die Glorifizierung der Vergangenheit und der Natur in den Vordergrund. Die Vertreter der Romantik interessierten sich für das Sublime und das damit verbundene Gefühl von Unerreichbarkeit und Unermesslichkeit. Sinnesempfindungen galten als Quelle für die ästhetische Erfahrung, wobei neben Bewunderung auch Grauen und Furcht in den Gemälden ihren Ausdruck fanden. In der Landschaftsmalerei wurde besonders das Verhältnis zwischen der erhabenen, überwältigenden Natur und dem im Vergleich dazu unbedeutend klein erscheinenden Menschen ins Zentrum gerückt.

Künstler wie Alexandre Calame (1810 – 1864) und Gustave Eugène Castan (1823 - 1892) erkannten das Erhabene besonders in den Naturgewalten und setzten diese in ihren Darstellungen mit nahezu religiösen Erfahrungen gleich. Ihre dramatischen Landschaftsbilder zeigen eine imposante und teilweise beängstigende Natur, welche Unendlichkeit, Sehnsucht und Ehrfurcht verkörpert. Johann Gottfried Steffan (1815 – 1905) und François Diday (1802 – 1877) konzentrierten sich hingegen mehr auf die Darstellung von mystisch verträumten Landschaften, die von einer atmosphärischen und transzendenten Lichtstimmung geprägt sind.

Ausstellungsansicht Romantik
François Diday - Pont du Diable, o.J.

François Diday - Pont du Diable, o. J.

François Diday - Pont du Diable, o. J.
Öl auf Leinwand
49,5 x 39 cm

Das Gemälde des Genfer Künstlers François Diday zeigt die von Schweizer Volkslegenden umwobene Teufelsbrücke aus einer eindrücklichen Perspektive. Flussaufwärts führt der Blick zur Brücke hinauf, wobei diese durch ein ausgeprägtes Chiaroscuro (hell-dunkel Malerei) wie ein Tor zwischen Vorder- und Hintergrund erscheint. Der Himmel, das hintere Tal sowie die Berge in der Ferne sind bereits ins Licht getaucht, während im tiefen Flusstal noch immer Nacht zu herrschen scheint. Die aufgehende Sonne wird von einem mit Sträuchern bedeckten Felsen verborgen, doch erreichen einzelne Sonnenstrahlen die Brücke und bescheinen diese vom hinteren, hellen und verlockenden Tal her. Zwei kleine Gestalten in der unteren dunklen Bildhälfte verdeutlichen die potenzielle Gewalt der Natur und des Gebirges, der sie sich konfrontiert sehen. Ein Mann mit roten Hosen steht mit dem Rücken zum Betrachter gewandt auf einem grossen Felsen und eine gebückte Figur steigt zum Flussbett hinunter. Besonders durch die Rückenfigur wird ein Tiefenraum erschaffen, da der Betrachter sich mit der ins Bild schauenden Figur identifizieren und so die Räumlichkeit der Szenerie sowie die Erhabenheit der Natur nachempfinden kann.

Ausstellungsansicht Romantik