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15.04. – 29.05.2021

Hildegard Weber-Lipsi

15.04. – 29.05.2021
Rämistrasse 3, Zürich

Die Ausstellung zum künstlerischen Schaffen von Hildegard Weber-Lipsi (1901, Wädenswil – 2000, Küsnacht) zeigt ein äusserst ausdruckstarkes, malerisches Konvolut, das sie ab 1950 bis in die 1970er Jahre schuf und der Informellen Kunst zuzuordnen ist. Eine Kunstrichtung, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg zeitgleich in den USA (Jackson Pollock, Mark Rothko) und Europa, insbesondere Paris (Wols, Jean Fautrier), entwickelte und als Reaktion auf die ideologisch geprägten Malstile und die gesellschaftlichen Zwänge während des Zweiten Weltkrieges gilt. Die art informel, deren Ziel die Auflösung des klassischen Formprinzips war, zeichnet sich durch eine intuitive, spontane Abstraktionsform aus, die durch Aktion und Reaktion in einem experimentellen Gestaltungsprozess entstand.

Ausstellungsansicht

1926 ging Weber-Lipsi – nach Studienjahren in Zürich, Karlsruhe und London – nach Paris und lernte dort ihren zukünftigen Mann, den Bildhauer Morice Lipsi, kennen. Gemeinsam wohnten sie in der Pariser Künstlerkolonie La Ruche, wo sie im engen Austausch mit Künstlern wie Guillaume Apollinaire oder Marc Chagall standen. Eine lebenslange Freundschaft verband sie mit Sonia Delaunay, mit der sie mehrmals im Salon des Réalités Nouvelles ausstellte. Bedingt durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges sah sich das Paar gezwungen, getrennt aus Paris zu fliehen. Während Morice Lipsi in der Charente Exil suchte, zog sich Weber-Lipsi nach Zürich zurück. Nach Kriegsende lebten und arbeiteten sie in Zürich und Paris.

Die Gemälde von Weber-Lipsi, die in den frühen 1950er Jahren noch von einer eher düsteren Farbigkeit geprägt sind, doch später immer bunter und strahlender erscheinen, verraten eine rastlose und neugierige Persönlichkeit. In ihren Arbeiten zeigen sich lebhafte Spuren einer experimentellen, malerischen Dialektik, die mit der Suche nach dem richtigen Ausdruck einherging. Die fliessenden, manchmal nervösen Pinselstriche fügen sich auf der Leinwand mit einer scheinbaren Leichtigkeit und Spontaneität zu expressiven Kompositionen zusammen. Weber-Lipsi entwickelte dabei eine aussergewöhnliche, für sie charakteristische Farbpalette, bestehend aus hellen Pastelltönen in Kombination mit starken, reinen Farbakzenten. Die erdigen, dunklen Töne der Pariser Schule lehnte sie immer mehr ab. Besonders die farbenprächtigen Feste in Japan, wo sie 1963 erstmals hinreiste, prägten ihre immer intensiver und farbiger werdende Kompositionen.  
Im Vergleich zu bekannten Pariser Vertretern des Informel, wie etwa Wols, Jean Fautrier oder Hans Hartung, deren Werke oftmals laut, aufdringlich und aggressiv wirken, erscheinen Weber-Lipsis Gemälde subtil, bescheiden und raffiniert. Auf einzigartige Weise verband sie pulsierende Farbflächen (Color Field Painting) mit dynamischen Pinselspuren (Action Painting) zu poetisch gestischen Abstraktionen.
Wie in der Informellen Malerei üblich, legte Weber-Lipsi den Gemälden keine entworfene Komposition zugrunde, sondern verliess sich auf ihre Intuition. Von diesem Verfahren des Automatismus (écriture automatique) hing letztlich ab, ob das Resultat dem Gesuchten entsprach: «Alles was ich male, ist zunächst kompliziert und wird später einfach, wenn ich die Kraft dazu habe. Ich male und weiss nicht, was passieren wird, aber wenn ich es wiedererkenne, bin ich glücklich und wenn es gelingt, bin ich dankbar, denn das Gelingen hängt an einem Faden.»

Weber-Lipsi präsentierte 1929 zum ersten Mal in Paris im Salon d’automne und in den folgenden Jahren immer wieder im Salon des Réalités Nouvelles (1962 – 1969) ihre Werke. Es folgten verschiedene internationale Ausstellungen u. a. in Zürich, Basel, Ascona, Paris, Frankfurt am Main und Tokyo. Ihre Arbeiten befinden sich heute in Privatsammlungen in der Schweiz, Frankreich, Deutschland, Italien und Japan.

Ausstellungsansicht
Zum Künstler
Hildegard Weber-Lipsi
Wädenswil, 1901 — 2000

Hildegard Weber-Lipsi (1901, Wädenswil - 2000, Küsnacht) studierte Kunst in Zürich, Karlsruhe, London und Paris, wo sie beim Bildhauer Morice Lipsi, ihrem späteren Ehemann, Zeichenunterricht nahm. Bereits 1929 konnte sie im Salon d’automne im Grand Palais in Paris ausstellen. Für kurze Zeit lebte sie mit Morice Lipsi in der Künstlerkolonie La Ruche, bevor sie zusammen an den Stadtrand von Paris zogen. Der Zweite Weltkrieg zwang das Paar jedoch getrennte Wege zu gehen, da Morice Lipsi 1941 in die Charente fliehen musste. Hildegard Weber-Lipsi kehrte daraufhin mit den Töchtern in die Schweiz zurück. Die Familie war nun abwechselnd am Zürichsee und in Paris wohnhaft.
In den 1950er Jahren manifestierte sich eine stärker werdende Tendenz zur Abstraktion im Werk von Hildegard Weber-Lipsi. Sie schuf Ölgemälde, Aquarelle und Zeichnungen, die sich durch eine ausgesprochene Lebhaftigkeit auszeichnen und eine forschende, feinfühlige Künstlerin verraten. Die fliessenden, manchmal nervösen Pinselstriche fügen sich mit einer scheinbaren Leichtigkeit zu expressiven Kompositionen zusammen und vermögen es, eine poetisch gestische Abstraktion mit starker Ausdruckskraft zu kreieren. Dabei verwendete Weber-Lipsi eine aussergewöhnliche, für sie charakteristische Frabpalette, bestehend aus hellen Pastelltönen in Kombination mit starken, reinen Farbakzentuierungen. Inspirieren liess sich die Künstlerin auf Reisen – im Auto, Zug oder Flugzeug suchte sie stets die dynamischen, einprallenden Eindrücke in ihren Arbeiten einzufangen. Besonders Japan und die dort erlebten Feste und Feuerwerkspektakel lieferten noch Jahre später Anregungen für atmosphärische Gemälde, leuchtende Aquarelle und expressive Zeichnungen.
Hildegard Weber-Lipsi nahm regelmässig am Salon des Réalités Nouvelles teil und stellte ihre Werke in Frankreich, Deutschland, Israel, Japan und in der Schweiz aus.