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Kunstwerk
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Antonio Argudín
Havanna, 1910

Antonio Argudín, geboren 1910 in Havanna, besuchte dort die  Escuela Nacional de Artes Plásticas San Alejandro und war als Maler, Bildhauer und Grafiker in Kuba tätig. Ab 1935 konnte er regelmässig ausstellen, so etwa mehrmals im Círculo de Bellas Artes in Havanna. Von 1953 bis 1954 wird er Mitglied der Grupo de Afirmación y Divulgación del Arte Cubano (GADAC) und kann 1954 und 1956 an der Bienal Hispanoamericana de Arte in Havanna und Barcelona teilnehmen.

Die akademische Tradition in der bildenden Kunst setzte auf Kuba mit dem beginnenden 19. Jahrhundert ein, als der französischer Historienmaler Jean Baptiste Vermay (1786-1833) erstmals eine Kunstakademie nach europäischem Vorbild in Havanna gründete. Erst in den 1940er Jahren, als Künstler wie Wilfredo Lam (1902-1982) nach Europa reisen und dort Bekanntschaft mit den führenden Künstlern des Kubismus und des Surrealismus machen, gelangt das Gedankengut der europäischen Avantgarde nach Kuba und trägt dazu bei, dass sich Maler allmählich von der akademischen Tradition abwenden. So zeigen auch Argudíns Werke mehrere Parallelen zu avantgardistischen europäischen Stilrichtungen. Sein Verzicht auf einen perspektivischen Bildraum, die Auflösung der geschlossenen Körperlichkeit von Dingen und die künstlerische Reduzierung eines Objektes auf geometrische Figuren sind allesamt charakteristische Darstellungspostulate des Kubismus. Der durchkomponierte geometrische Bildaufbau und der punktartige Pinselduktus hingegen, verweisen auf die Stilrichtung des Pointilismus. In der Art und Weise wie Argudín Bewegungsabläufe und Dynamik durch versetzte Repetition des sich bewegenden Bildinhaltes malerisch festhält, bezieht er sich auf die italienische Schule des Futurismus.

Die Anfänge einer modernen Kunst sind auf Kuba ebenso wie in anderen Ländern Lateinamerikas eng mit der nationalen Identitätsfindung verbunden. So beginnt sich auf Kuba eine Kunsttradition auszubilden, die tradierte Formensprachen aus dem Ausland übernimmt, sich aber zugleich auf ihre afrokubanischen Wurzeln und ihre nationale Kultur besinnt. Diese, der kubanischen Kunst eigenen Synthese, wird ebenfalls in den Werken Antonio Argudíns ersichtlich, der um 1950 in europäisch avantgardistischer Manier kubanische Sujets auf die Leinwand bringt. Argudín malt lebhaft musizierende Kubaner, Früchteverkäufer und freudig tanzende Figuren. Somit ruft der Künstler das Bild einer heiteren vorrevolutionären kubanischen Zivilgesellschaft hervor, welches angesichts der damals vorherrschenden Repressalien auf eine verklärte, realitätsfremde Darstellung hinweist. Die mangelnden Zeugnisse über den Künstler geben keinerlei Aufschluss über seine Gesinnung oder seine Einstellung gegenüber den politischen Ereignissen auf Kuba und lassen folglich Deutungsfreiheit über allfällige subversive Intentionen Argudíns. Festhalten lässt sich lediglich, dass sich sein Kunstschaffen in einer politisch bewegten Epoche verortet, welche sich unweigerlich auf die Kunstproduktion niederschlug. Unumstritten stellt Argudíns noch verkannte Kunst nicht nur ein wichtiges Zeitzeugnis der bewegten kubanischen Geschichte Mitte des 20. Jahrhunderts dar, sondern auch den Ausdruck einer einsetzenden avantgardistischen Kunstströmung auf Kuba.

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